Akzeptanz der Gastroskopie unter
Berücksichtigung der Vorerfahrungen
der Patienten, des Geschlechtes und
der Prämedikation
P. Hartmann
Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis - Minden
Einleitung
In der Bevölkerung werden immer wieder große Ängste vor endos- kopischen
Untersuchungen, insbesondere auch vor der Gastroskopie formuliert. Daher wird in den USA bei bis zu 98 % der Gastroskopien eine Prämedikation durchgeführt [1], in europäischen Ländern wie der Schweiz, Spanien, Griechenland und Deutschland und England wird eine Prämedikation weniger häufig eingesetzt [2] und in asiatischen Landern, dem Mittleren Osten und Südamerika nur selten durchgeführt [3]. Unter diesen verschiedenen Aspekten war das Ziel dieser Untersuchung die Sorgen und Ängste der Patienten vor und nach einer Gastroskopie genau zu erfragen und zu quantifizieren. Hierbei sollten insbesondere auch die Erfährungen der Parienten aus früheren Gastroskopien, die Prämedikation und das Geschlecht berücksichtigt werden.
Patienten und Methoden
In einer prospektiven, offenen Studie wurden innerhalb von 4 Wochen die Patienten einer gastroenterologischen Fachpraxis vor und einige Tage nach Durchführung einer Oesophago-Gastro-Duodenoskopie anonym befragt. Die Bewertung erfolgte nach dem Schulnoten- system von 1 - 6 (z.B. keine Angst - sehr große Angst). Der erste Fragebogen wurde direkt vor der Gastroskopie in der Praxis anonym ausgefüllt (155 Patienten - 55.5% Frauen). Der zweite Fragebogen wurde den Patienten einige Tage nach der Untersuchung zugesandt (Rückmeldung: 128 Bögen = 82,6%). Die statistische Untersuchung erfolgte nach dem x2-Test.
Ergebnisse - Diskussion
-
Von 155 Gastroskopien wurden 108 mit Prämedikation (Midazolam 2,5-6 mg) durchgeführt (Frauen 74,4% - Manner 63.8%)
-
Frauen mit Gastroskopie-Vorerfahrung wünschen häufiger eine Prämedikation als Männer (Frauen78,2 % - Männer 59.2%) (Abb. 1) [p<0,05]. Diese Frauen mit Prämedikation gaben eine große Angst davor an, das Gerät nicht schlucken zu können (Mit Prämedikation: Note 3,4- ohne Prämedikation: Note 1,8) [p<0,01]. Bei Männern fand sich ein solcher Unterschied nicht (mit Prämedikation 2,7 - ohne Prämedikation 2,0).
-
Bei Patienten ohne Gastroskopie-Vorerfahrung finden sich keine statistisch signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Prämedikationshäufigkeit.
Die Durchführung einer Prämedikation wird bei einer Gastro- skopie als Erstuntersuchung wesentlich von der Entscheidung und Empfehlung des Untersuchers geprägt. Patienten mit Gastroskopie-Vorerfahrung wünschen bei einer erneuten Gastroskopie die Durchführung der Untersuchung überwiegend in gleicher Weise wie bei der Voruntersuchung.
-
Bei der Befragung vor der Untersuchung wurde insbesondere von den weiblichen Patienten, die eine Prämedikation erhielten, eine größere Angst vor der Untersuchung angegeben als ohne Prämedikation
(Männer mit Prämedikation: Note 3,3 - Manner ohne Prämedikation: Note 2,7, Frauen mit Prämedikation: Note 3,6 - Frauen ohne Prämedikation: 2,5).
Im Nachbefragungsbogen wurde in der Erinnerung von Männern, unabhängig von der Prämedikation, weniger Angst als vor der Untersuchung angegeben (mit Prämedikation: Note 2,2 - ohne Prämedikation: Note 2,0).
Bei weiblichen Patienten fand sich ein so deutlicher Unterschied im Nachbefragungsbogen bei diesen Angaben nicht (mit Präme- dikation: Note 3,2 - ohne Prämedikation: Note 2,0) (Abb. 2. 3)