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Sport und CED
„Bloß nicht“ oder „viel mehr“?
Dr. med. Bernd Bokemeyer
Ob eine sportliche Betätigung für CED-Erkrankte sinnvoll und hilfreich ist, wird immer wieder diskutiert. Die frühere Meinung, dass chronisch Erkrankte möglichst wenig sportlich aktiv sein sollten, gilt heute nicht mehr in gleicher Weise. Sicherlich ist bei einem akuten schweren Schub einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung die sportliche Betätigung einzuschränken. Sonst hat aber aufgrund neuer Untersuchungen eine sportliche Betätigung günstige Einflüsse auf den Verlauf der CED. Einerseits kann man durch eine sportliche Betätigung eine Osteoporose-Vorbeugung betreiben und andererseits gibt es neue Erkenntnisse, dass eine moderate sportliche Betätigung das Immunsystem positiv anregen kann. Bei extremen Ausdauerbe- lastungen kann es allerdings auch zu einer Unterdrückung der körpereigenen Abwehr kommen, was sich manchmal darin zeigt, dass Extremsportler häufig unter immer wieder auftretenden Infekten leiden. In diesem Spannungsfeld zwischen „zu viel" oder „gerade richtig" ist die richtige Dosierung der sportlichen Tätigkeit zu suchen.
Darüber hinaus sollte man die psychovegetativen Begleiteffekte einer sportlichen Tätigkeit nicht unterschätzen. Sport kann jedenfalls immer das Befinden und die psychische Grundstimmung der Betroffe- nen deutlich verbessern.
Dass für CED-Patienten in einer Remissionsphase z.B. auch unter einer immunsuppressiven Therapie oder nach eingreifenden Opera- tionen extreme Ausdauerbelastungen möglich sind, möchten wir mit den beiden folgenden Berichten zweier Patienten aus unserer gas- troenterologischen Gemeinschaftspraxis in Minden dokumentieren. Ein Betroffener ist den Stockholm-Marathon nach Pouch-OP erfolg- reich gelaufen und ein Crohn-Patient unter einer laufenden immun- suppressiven Therapie mit Azathioprin, der jetzt aber in einer stabi- len Remissionsphase war, hat es sogar geschafft, den Ironman- Triathlon in Zürich (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen) zu absolvieren. Ich finde diese Leistungen beeindruckend und habe deshalb beide Betroffenen ermuntert, über ihre Vorberei- tung, das Training, den Wettkämpf und das dabei Erlebte zu berich- ten, da ich denke, dass diese Berichte auch anderen Patienten helfen können. Insbesondere finde ich die Berichte so beeindruck- end, da beide Sportler in emotionaler Weise über ihre Auseinander- setzung mit der Erkrankung und dem Sport als einen sehr ähnlich empfundenen Kampf berichten.
Jedenfalls gilt heute nicht mehr für CED-Erkrankte, dass sie keinen Sport treiben dürfen. Eine angepasste sportliche Tätigkeit als ergänzende Begleitmaßnahme wird in der Zukunft ihren Stellenwert finden und in der Behandlung sicherlich richtig und wichtig sein.

