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Bei Ihnen wurde durch eine entsprechende Diagnostik (H2-Atemtest) eine Lactoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) diagnostiziert. Als Lactoseintoleranz bezeichnet man eine Unverträglichkeitsreaktion nach Genuss von lactosehaltigen Nahrungsmitteln wie Milch und Milch- produkten, die dann mit Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen einhergehen können. Ursache ist meist eine schon normalerweise mit zunehmendem Alter nachlassende Aktivität des Enzyms Lactase im Dünndarm, was jetzt bei Ihnen dazu geführt hat, dass nicht mehr genug Enzymmenge im Dünndarm vorhanden ist, um die Milchprodukte aus- reichend zu spalten und damit aufnehmen zu können.

Die Lactaseaktivität wird genetisch kontrolliert und zeigt je nach Herkunft wesentliche Unterschiede. Die Maximalaktivität liegt bei der Geburt vor und nimmt mit zunehmendem Alter ab. Bei Asiaten und Afrikanern beginnt die Aktivitätsabnahme bereits im 2. Lebensjahr, während dies bei Nordeuropäern später, im Alter von etwa 5 Jahren beginnt. Das Auftreten einer Lactosemalabsorption liegt bei etwa 80 bis 90% der erwachsenen Asiaten und Afrikaner, bei 70 bis 80% der Araber und Südeuropäer und bei etwa 10 bis 15% der Nordeuropäer. Die erhöhte Lactaseaktivität bei Nordeuropäern gegenüber anderen Völkern scheint genetisch selektioniert zu sein, um eine gesicherte Calciumauf- nahme über Milch und Milchprodukte bei vergleichbar geringerer Vitamin-D-Synthese aufgrund der geringeren Sonnenexposition zu gewährleisten.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass das Ausmaß einer Lactoseintoleranz, d.h. die Schwere der Symptomatik von der individuellen Verträglich- keit, der zugeführten Lactosemenge und der Natur des lactosehaltigen Nahrungsmittels abhängt. Nach Genuss purer Lactose, z.B. im Rahmen des H2-Atemtestes tritt erheblich mehr Symptomatik auf, als wenn die gleiche Menge als Milch zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit aufgenommen würde.

Die Verträglichkeit hängt von der individuellen Lactaserestaktivität ab, kann aber auch durch Adaptionsmechanismen bei kontinuierlichem Genuss geringer Lactosemengen beeinflusst werden. Die Missempfin- dungen sind teilweise auch subjektiv deutlich beeinflusst. Eine Mehrheit der Patienten mit einer Lactoseintoleranz kann geringe Lactosemengen (bis zu ¼ l Milch am Tag) vertragen.

Im Alltag erscheint eine Reduktion des Lactosegehaltes in Vollmilch um 50% ausreichend zu sein, um die Intoleranzsymptomatik zu verhin- dern. Eine vollständige lactosefreie Diät ist selten erforderlich. Die individuelle Lactoseunverträglichkeit sollte in Absprache mit dem Arzt oder einer Ernährungsberaterin selbst ausgetestet werden. Treten nach einem Versuch mit einer erhöhten Lactosezufuhr Symptome mit Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall auf, ist dieses nur lästig und nicht grundsätzlich schlimm. Es zeigt nur an, dass die dann aufgenom- mene Lactosemenge für denjenigen Patienten an diesem Tag zu hoch war.

Im Rahmen einer notwendigen Diät stehen lactosefreie und lactose- arme Milchpulver, entweder durch Lactoseentzug oder auf Sojaisolat- basis hergestellt, seit längerer Zeit zu Verfügung, in Deutschland z.B. als Nestle al 110® oder Humana SL®. Lactosefreie oder lactosearme Milchsorten, wie sie in den USA und Skandinavien zur Verfügung stehen, werden bei uns nicht produziert. Diese Milchsorten schmecken häufig etwas süsslicher durch den Lactoseentzug.

Alternativ zum Konsum von Milchprodukten ist die Selbstherstellung von lactosearmer Milch durch die Zugabe von Lactase, z.B. als Tropfen in die Milch etwa 24 bis 48 Stunden vor dem Genuss im Kühlschrank (4° C) eine kostengünstige und praktikable Lösung. Lactasehaltige Enzymprä- parate z.B. Kerulac-Tropfen® (APH-Allergie- Emmerich) sind in der Apotheke erhältlich. Daneben ist es auch möglich lactasehaltige Präpa- rate als Tabletten (jeweils 2-3 Tabl. zu den Mahlzeiten) einzunehmen. Solche Tabletten sind als Lactrase® (Pro Natura GmbH Frankfurt) ebenfalls in der Apotheke erhältlich.

Etwa 10 Tropfen eines Lactasepräparates sind ausreichend um 70 bis 100% Lactose in 240 ml Vollmilch zu spalten. Etwa 2 bis 3 Lactase- tabletten können zu den milchhaltigen Mahlzeiten auch eingenommen werden. Der Effekt ist jedoch aufgrund einer möglichen Inaktivierung der Lactase im Magen unterschiedlich. Gesäuerte Milchprodukte (z.B. Joghurt) haben in der Regel einen hohen Gehalt an mikrobieller Lacta- se, sie sind daher lactosearm und werden von vielen Patienten gut vertragen. Nach Angaben der Hersteller ist holländischer Schnittkäse praktisch lactosefrei. Einige Gemüsesorten (Brokkoli, Grünkohl, Lauch/ Porree, Sojabohnen, Spinat) haben einen relativ hohen Gehalt an Calcium und sollten daher bevorzugt verzehrt werden, um den täg- lichen Calciumbedarf mit abzudecken.

Hoffentlich konnte ich Ihnen mit den obigen Angaben eine wichtige Hilfestellung zum Umgang mit der bei Ihnen diagnostizierten Lactose- intoleranz geben. Es erscheint mir besonders wichtig, individuell aus- zutesten in welchem Umfang und in welcher Art Sie bestimmte lactose- haltige Nahrungsmittel (Milch und Milchprodukte) vertragen können. Wie schon oben betont ist es dabei nicht schlimm wenn bei einem vorsich- tigen Versuch dann doch einmal Symptome auftreten, da diese Symptome nur lästig sind und jeweils wieder abklingen, für Sie aber keine echte krankmachende Bedeutung haben. Zur Information habe ich jetzt am Ende noch eine Tabelle mit dem Gehalt an Milchzucker in Milch und Milchprodukten angefügt.

 

Milchzucker (Lactose) in Milch und Milchprodukten

Lebensmittel  Milchzucker (g/100g)
Milch  4,8
Dickmilch  4,0
Buttermilch  3,5
Schlagsahne  3,2
Saure Sahne 3,3
Quark (mager)  4,1
Joghurt (natur)  4,0
Joghurt (mit Magermilchpulver)  5,3
Schmelzkäse (schnittfähig) 

8,9

Schmelzkäse (streichfähig)  5,3
Rahmfrischkäse  3,4
Emmentaler  3,4
Appenzeller  1,6
 
Viel Erfolg im Umgang mit der diagnostizierten Lactoseintoleranz wünschen Ihnen 
Dres. med. B. Bokemeyer, Ch. Roggel, U. Kamp